In den letzten Monaten ist auf LinkedIn & Co. so einiges zum Thema Narzissmus geschrieben worden. Meist geht es darum, welchen Schaden stark narzisstische Menschen in ihrem Umfeld verursachen können, vor allen Dingen, wenn sie in Führungspositionen gelangen. Ich möchte heute einen anderen Aspekt der unterliegenden Mythologie beleuchten, der in Diskussionen meist in den Hintergrund tritt.
Viele Menschen kennen jenen Teil der antiken Geschichte, da der Jüngling Narziss sein Spiegelbild im Wasser erblickt und sich in sich selbst verliebt. Die Geschichte geht da weiter, wo der Jüngling nach dem geliebten Menschen greifen will, dadurch das Wasser aufwühlt (oder: den Wasserspiegel mit seinen Tränen verwirbelt) — und folglich ins Leere greift (Bild unten mit ChatGPT erstellt).
Der geliebte Mensch kann also nie wirklich erreicht werden. Es herrscht Leere. Folglich ist da auch großer Schmerz auf Seiten stark narzisstischer Menschen, der in den Diskussionen im Grunde nie thematisiert wird. Ich habe über die Jahre viel mit und für stark narzisstische Personen gearbeitet. Ich bin da im Übrigen selbst auch nicht ganz ohne.
Nicht immer, aber doch in manchen Situationen hat es mir geholfen, durch meinen eigenen Schmerz hindurch auf den Schmerz in der anderen Person zu schauen. Das nimmt bisweilen Schärfe und Spannung aus der belasteten Beziehung heraus.
