Ich wundere mich manchmal, wie unreflektiert Unternehmen bisweilen Management-Methoden und -Tools übernehmen, ohne wirklich zu prüfen, ob die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für den entsprechenden Einsatz wirklich gegeben sind.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Agile Methoden — sowohl der Part, der sich auf die internen Abläufe bezieht, wie auch der Part, der sich auf Produktentwicklung und Kommunikation mit Kunden bezieht — können eminent wertvoll sein.
Sie können jedoch auch, gerade in Bezug auf die interne Perspektive, einfach überflüssige Kommunikation bedeuten, die weder den Arbeitsprozess voranbringt, noch den Kunden nützt. In welche Richtung es geht, hängt maßgeblich von einer simplen Frage ab, die trotzdem in der Praxis kaum jemals gestellt wird:
In den meisten Organisationen wird seit Jahrzehnten das Hohelied des Teamwork gesungen. Dabei ist das, was geleistet wird, organisationspsychologisch betrachtet häufig gar kein Teamwork. Sondern Gruppenarbeit.
Der entscheidende Faktor für die Klassifikation ist der Grad an Interdependenz bei der Zielerreichung. Ein Team ist eine Gruppe von Menschen, bei denen der Erfolg aller Beteiligten maßgeblich auch vom Input der anderen Beteiligten abhängt. Etwas plakativ gesagt: „Baust du Mist, geht mein Arbeitsergebnis ebenfalls vor die Hunde…“
Das ist insbesondere der Fall, wenn im Bereich der Softwareentwicklung verschiedene Menschen gemeinsam an einem Programm oder Tool arbeiten. Von daher ist es auch kein Wunder, dass die meisten agilen Methoden ursprünglich in diesem Kontext entwickelt wurden.
In vielen Büroumgebungen arbeiten die Menschen jedoch mehr oder weniger „nebeneinander her“. Natürlich gibt es auf einer Metaebene gemeinsame Ziele — doch im Arbeitsalltag haben die Menschen ihre eigenen Themen, Projekte und Verantwortlichkeiten. Anders gesagt: Die Interdependenz der Aufgaben ist so gering, dass beispielsweise ein wöchentliches Teammeeting zur gegenseitigen Koordination mehr als ausreicht.
