Nico Rose | 2023

Reflexion: Wegen guter Führung

Es gibt unzählige Theorien und Konzepte zum Thema Führung – und damit auch entsprechend viele Bücher, Fachartikel, Blogs usw. Selbstredend gibt es typische Gemeinsamkeiten in diesen Denkgebäuden, aber auch reichlich Widersprüche — bis hin zu echten Paradoxien.

Dies liegt in der Tatsache begründet, dass Führung ein unglaublich vielschichtiges Phänomen ist. Wenn man folglich über Führung spricht, sollte man ausreichend klären, welche Blickwinkel, Ebenen oder Dynamiken man eigentlich adressiert. Ich habe für die untenstehende Grafik versucht, die mir geläufigen Ebenen möglichst umfassend darzustellen.

Reflexion

Erstklassige Führung beginnt nach meinem Verständnis immer mit guter Selbstführung. Wer sich selbst nicht hinreichend versteht (Stärken, Schwächen, Leidenschaften, was schenkt/raubt mir Energie etc.) kann andere auch nicht gut führen. Bzw. ist es eher ein Blindflug, wenn es trotzdem gelingt.

Motivation

Zu jeder Führungsrolle gehört nach meinem Verständnis, die Leistungsfreude und das Engagement der geführten Personen zu erhalten. Dies geschieht z.B. durch herausfordernde Ziele, durch die Gestaltung der persönlichen Bindung, ein ausreichendes Maß an Autonomie — und vor allem die beständige Optimierung der Passung zwischen Aufgabe und Mensch.

Kohäsion

Menschen wollen — über das monetäre Einkommen hinaus — auch ein psychologisches Einkommen durch Arbeit erzielen. Dieses speist sich aus der Erfahrung von Sinn, Zugehörigkeit und Resonanz im Rahmen der Erfahrungen in der Arbeitsrolle. Auch diese psychologischen Dynamiken hängen maßgeblich von guter Führungsqualität ab.

Koordination

Dieser Aspekt klingt ein bisschen „old-school“, ist aber trotzdem erfolgskritisch: Führung bedeutet immer auch Management, die Koordination von Leistungserbringung durch Regeln, Strukturen und Prozesse. Natürlich kann man diesen Part an die geführten Personen zurück zu delegieren, z.B. durch Selbstorganisation. So ganz wird man das nach meiner Erfahrung jedoch nicht los. Die oft bemühte Trennung von „Leader“ und „Manager“ ist in der Praxis nicht vorhanden.

Transformation

Diese Ebene betrifft die Arbeit an(!) der Organisation (oder Teilen davon). Hierbei geht es um Veränderungen, die über das Tagesgeschäft hinausweisen. Je nach Inhalt und Flughöhe kann das z.B. Kulturarbeit bedeuten, aber auch Restrukturierung, M&A-Aktivitäten oder das Ausformulieren einer gänzlich neuen Strategie.

Legitimation

„The business of business is business.“ Dieses häufig bemühte Zitat gilt in unseren Zeiten kaum noch. Gewinne und Renditen sichern zunächst die Nachhaltigkeit der Organisation selbst. Doch ohne Anschlussfähigkeit an das große Ganze, zumindest an etwas, das über den reinen Zweck der Gewinnorientierung hinausweist, werden die meisten Organisationen ihre Zukunftsfähigkeit einbüßen. Diese Resonanz und Rückkopplung sicherzustellen, ist ebenfalls Teil der Führungsaufgabe.

Führung Ebenen Nico Rose