Nico Rose | Speaker

Reflexion: "Warum bist Du eigentlich Führungskraft geworden?"

Vor einigen Tagen habe ich das Führungskräfte-Meeting eines Unternehmens mit einer Keynote und einem Workshop begleitet. Während des Workshops in kleiner Runde ist mir eine Frage rausgerutscht, die ich eigentlich gar nicht stellen wollte:

"Wisst ihr, warum euch das Unternehmen zur Führungskraft gemacht hat? Auf Basis welcher Kriterien ist die Entscheidung getroffen worden?"

Es folgte: etwas betretenes Schweigen. Dann leicht verlegenes Lächeln, während man sich in der Runde umschaute. Keiner hatte eine Antwort. Schließlich sagte immerhin jemand: "Also, ich hab´ mich auf die Stelle beworben." Aber: Warum man sich für die Person entschieden hatte, konnte sie auch nicht verbalisieren.

Nun geht es mir mitnichten darum, mit dem Finger auf das Unternehmen oder die Menschen zu zeigen. Ich glaube allerdings, dass diese Anekdote recht symptomatisch ist für den Stand der Diagnostik für Führungseignung (in Deutschland). Oft läuft es darauf hinaus, dass die mutmaßlich beste Fachkraft zur Führungskraft gemacht wird.

Und zur Wahrheit gehört: Irgendwo muss man schließlich anfangen. Man sollte es aber nicht dabei belassen, im Interesse der geführten Personen, aber auch der zukünftigen Führungskraft. Viele Menschen leiden in einer solchen Rolle, finden aber keinen Ausweg mehr — jedenfalls nicht im gleichen Unternehmen.