In Büchern über Persönlichkeitsentwicklung wird oft die Metapher von der Raupe bemüht, die sich in ihren Kokon zurückzieht und dann in einen schönen Schmetterling verwandelt. Was dabei meist verschwiegen wird:
Es handelt sich mitnichten um eine um eine unmittelbare Transformation von einem in den anderen Daseinszustand. Die Raupe verwandelt sich nicht einfach in den Schmetterling. Vielmehr wird das vorige Lebewesen durch Enzyme zunächst fast vollständig zersetzt. Ergo: Wenn man zum richtigen Zeitpunkt in den Kokon schaut, findet man vorübergehend nur glibbrige Raupen-Matsche.
Je älter ich werde, umso mehr verstehe ich, dass ein solcher Prozess auch zur nachhaltigen Persönlichkeitsentfaltung dazugehört. Das Aushalten im Zwischenraum, in dem man sich wie Matsch fühlt — weil das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht da ist — da muss man wohl durch. Und bisweilen funktioniert die Aushalten besser, wenn man dabei professionell begleitet wird.
