Reflexion: Rückblick zum HR Inside Summit 2025

Ich durfte bereits zum dritten Mal in Folge die Hauptbühne des HR Inside Summit moderieren. Das zweitägige Event ist die wichtigste Veranstaltung rund um HR-Themen in Österreich. An den beiden Tagen darf ich einer großen Reihe von Keynotes lauschen und die Protagonisten auf der Bühne interviewen. Drei Sätze sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:

„Die größte Bibliothek der Welt ist die der ungeschriebenen Bücher.“

Sagte der Autor und TV-Produzent Thomas Brezina. Er muss es (nicht) wissen, denn er hat schon rund 600 Bücher geschrieben, also quasi eine eigene Bibliothek. Von Thomas‘ Keynote nehme ich den Gedanken mit, dass Erfüllung im Leben nicht zwingend bedeutet, dass wir immer glücklich sein werden oder alles gelingt. Vielmehr geht es darum, unser Leben zu füllen: mit Tun, Gestalten, Kreativieren. Manches wird scheitern, vieles wird andere Menschen missfallen — aber wer erst gar nicht anfängt zu schreiben, zu komponieren, oder einfach „sein Ding zu machen“, der wird auf jeden Fall die eingangs erwähnte Bibliothek unnötig bereichern.

„Wer jammert, wird verschont.“

Sagte der Zukunftsforscher Franz Kuehmayer. Verschont werden klingt auf den ersten Blick attraktiv (und ist manchmal auch notwendig) – aber als grundlegende Haltung taugt es nicht für ein gelingendes Leben. Wer immer verschont werden möchte, kann keine Verantwortung übernehmen. Ich denke dabei an die Zeilen von Viktor Frankl: „Das Leben selbst ist es, das dem Menschen Fragen stellt. Er hat nicht zu fragen, er ist vielmehr der vom Leben her Befragte, der dem Leben zu antworten — das Leben zu ver-antworten hat.“ Wer immer verschont werden möchte, wer sich nie ver-antwortet, der bleibt notwendigerweise stumm — und kann somit auch keine Resonanz erfahren.

„Little by little, a little becomes a lot.“

Sagte die Workplace-Wellbeing-Expertin Melissa Doman. Ihr Satz bezog sich auf Gesundheitsverhalten am Arbeitsplatz (und die beliebte Ausrede, es sei keine Zeit dafür). Aber er beleuchtet auch eine tiefere Wahrheit, so wie Rom eben nicht an einem Tag erbaut wurde. Ich selbst habe auch schon zehn Bücher geschrieben – und Menschen fragen mich manchmal, wann ich die Zeit dafür finde. Dabei halte ich mich nicht einmal für besonders diszipliniert. Aber aus wenigen Wörtern werden über die Zeit viele Wörter – und manchmal wird aus vielen Wörtern ein Buch. Der erste Satz ist meist der schwerste. Damit schließt sich der Kreis zu Thomas Brezina.

Nico Rose Conny Kreuter HR Inside Summit