Auf einer Dienstreise ist mir jüngst das u.g. Plakat im Bahnhof Würzburg ins Auge gefallen. Es spielt mit einem Konzept, das mich in meiner Zeit als Professor an der ISM in der Forschung stark beschäftigt hat — und auch heute noch in meine Vorträge einfließt: Menschen wollen durch ihre Arbeit immer (auch) ein Psychologisches Einkommen beziehen. Dieses entsteht, in der Diktion von Hartmut Rosa, durch verschiedene Formen von Resonanz.
Eine Form von Resonanz wird in der Forschung als Mattering bezeichnet. Dabei geht es — vereinfacht gesagt — um das subjektive Gefühl, dass die eigene Arbeit im Leben anderer Menschen einen (positiven) Unterschied macht, der einen Unterschied macht. Genau dieses Gefühl vermissen Menschen in der Welt der überbeschleunigten und kleinstteiligen Erwerbsarbeit recht häufig.
Der Wunsch nach dem psychologischen Einkommen ist in aller Regel so stark, dass es zu einem partiellen Ersatz für das monetäre Einkommen werden kann. Konkret: Nicht wenige Menschen sind bereit, einen Teil ihres monetären Einkommens gegen mehr „psychologisches Einkommen“ einzutauschen. Diese Dynamik hat meine frühere Studentin Hannah Berg in ihrer hervorragenden Masterarbeit empirisch nachgewiesen.
Leider kann diese Substituierbarkeit auch gegen Menschen verwendet werden. Das sieht man z.B. an der recht niedrigen Bezahlung in pflegerischen Berufen. Da sagt die unsichtbare Hand des Marktes gewissermaßen: „Schau mal, wie gut du den Menschen tust — und wie gut dir(!) das tut. Und jetzt willst du auch noch anständig dafür bezahlt werden?!“
Das ist nicht der Weg, um den Mandalorianer zu paraphrasieren. Sinnvolle Arbeit setzt immer beim Konzept der Menschenwürde an. Und dazu gehört, dass Menschen durch ihre Erwerbsarbeit ein würdevolles Leben führen können. Das „psychologische Einkommen“ ist dann ein willkommener Bonus. Es darf aber nicht zum Ersatz* für eine anständige Entlohnung werden.
* Ehrenamtliche Tätigkeiten sind hier explizit ausgenommen. Die macht man im Schwerpunkt gerade wegen des psychologischen Einkommens — und das ist auch gut so.
