Mit den Worten aus dem Titel dieses Beitrags habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten den einen oder anderen Vortrag eingeleitet. Nicht als Drohung, sondern als ehrliche Einschätzung der Großwetterlage. Schon mein Chef bei Bertelsmann hat früher oft gesagt: “Wenn dieses oder jenes Projekt durch ist, dann wird’s auch wieder ruhiger.” Ich bin sicher, er hat das ehrlich gemeint. Wurde es aber trotzdem nie. Und das war weitestgehend vor Trump, vor dem Krieg in der Ukraine — und der Corona-Pandemie.
Es ist völlig normal, dass Menschen in Zeiten wie diesen an (und über) die Grenzen ihrer körperlichen und seelisch-emotionalen Leistungsgrenzen geraten. Das Schlimme daran: Gerade besonders leistungsmotivierte Personen haben in solchen Situationen oft wenig Verständnis für die eigene Befindlichkeit. Statt sich selbst mit Güte zu begegnen, holt man “die Neunschwänzige” heraus und geißelt sich — metaphorisch — auch noch selbst.
Dr. Kristin Neff, die die Forschung rund um das Thema Selbstmitgefühl begründet hat, sagt dazu pointiert: „Wenn Menschen ihre Freunde so behandeln würden wie sich selbst, dann hätten sie keine mehr…” Auch ich neige dazu, nicht immer sehr freundlich mit mir selbst umzugehen — habe jedoch über die Jahre gelernt, mich etwas pfleglicher zu behandeln.
Ich durfte Kristin Neff 2019 für mein Buch Arbeit Besser Machen interviewen — und habe mich im Anschluss intensiv mit dem Thema Selbstmitgefühl beschäftigt. Seitdem gehe ich spürbar weniger hart mit mir ins Gericht. Auch der Gedanke, dass wir alle am Endes des Tages im gleichen Boot sitzen (im großen Lauf der Dinge), ist bisweilen tröstlich.
Vor einigen Jahren habe ich die wichtigsten Prinzipien des Selbstmitgefühls in einem ausführlichen Beitrag für den Harvard Business Manager heruntergeschrieben. Bei Interesse an dem Text sprechen Sie mich gerne an!
