Nico Rose | Zeche

Reflexion: “Das kann ich so nicht sagen, das muss von euch kommen…”

Es gibt Redner, die gestalten ihre Vorträge wie ein Theaterstück. Es ist im Grunde immer der gleiche Text, jede Geste, jeder Schritt, jede Betonung ist einstudiert.* Das ist eine eigene Form von Leistung – und wenn es gut gemacht ist, habe ich ein hohes Maß an Achtung davor.

Für mich habe ich jedoch früh einen anderen Weg eingeschlagen. Natürlich erfinde auch ich nicht immer das Rad neu, aber im Grunde beruht jeder meiner Vorträge auf einem hohen Maß an Improvisation. Ich habe das Glück, spontan frei und gut reden zu können.

Mit einem Teil meiner Aufmerksamkeit gucke ich mir quasi selbst beim Sprechen über die Schulter und behalte Kohärenz und Sinnhaftigkeit im Auge. Das gibt mir die Möglichkeit, tagesaktuelle Ereignisse oder meine persönlichen Erlebnisse einzubeziehen – und gerne auch spontan auf das einzugehen, was ich von eventuellen Vorrednern aufgeschnappt habe. Ich liebe die Form von Lebendigkeit und Energie, die dadurch im Raum entsteht.


Gerade, weil ich so viel improvisiere, ist mir eine besonders enge Abstimmung mit den Auftraggebern im Vorfeld wichtig. Über die Jahre ist mir dabei immer klarer geworden, dass es essenziell wichtig für den Erfolg einer Veranstaltung ist, “wer was sagt”.

Da ich mehr auf internen Firmenveranstaltungen als auf externen Konferenzen spreche, ergibt sich häufig ein Zusammenspiel mit der Geschäftsführung und anderen Beiträgen aus dem Inneren der Organisation. Manchmal werden mir vorab Botschaften ins Lastenheft geschrieben, von denen ich dann sage: “Ich kann das machen, aber dann wird es nicht gut. Das muss von euch kommen!” Warum?

  • Man kann als Speaker schnell übergriffig wirken, wenn man für alles eine “schlaue Lösung” (von außen) hat.
  • Manche Aspekte zum Zustand einer Organisation darf ich streng genommen “nicht wissen”, auch wenn ich vorher ins Bild gesetzt worden bin.
  • Für manche Botschaften kann ich als Externer nicht die Verantwortung übernehmen. Sie müssen aus dem Inneren des Systems überbracht und verantwortet werden — wenn sie Relevanz für das Publikum erzeugen sollen.

* Wenn man schon ein paar Jahre auf Bühnen steht, dann passiert es irgendwann fast zwingend, dass man KollegInnen auch zwei-, dreimal bei den Auftritten beobachten kann. Das ist immer sehr aufschlussreich…

Nico Rose HR Inside Summit