Nico Rose | 2023

Reflexion: “Wie motiviere ich als ChefIn meine MitarbeiterInnen?”

Diese Frage wurde neulich so ähnlich mehrfach in einem kundenseitigen Webinar gestellt, dass ich für den AOK-Bundesverband (mit-)gestaltet habe. Die Frage ist aus mindestens zwei Perspektiven "fragwürdig", weil sie Vorannahmen enthält, die ich sowohl aus gelebter Praxis als auch aus wissenschaftlicher Perspektive anzweifeln würde.

Da wäre zum einen die Vorannahme, dass es die Aufgabe von Vorgesetzten sei, MitarbeiterInnen zu motivieren. Ich mache an dieser Stelle ein großes Fragezeichen. Eher bin davon überzeugt, dass Motivation immer ausreichend vorhanden ist.* Nur nicht zwingend für die Arbeitsaufgaben.

Wenn Menschen nicht motiviert sind, ihre Arbeitsaufgaben anzugehen, liegt das fast immer (auch) daran, dass es keinen ausreichenden Fit zwischen den Aufgaben und den Interessen, Bedürfnissen sowie Stärken der Person gibt. Anstatt also zu versuchen, Menschen zu etwas motivieren zu wollen, wäre es die eigentliche Führungsaufgabe, kontinuierlich an der Rolle und den zugehörigen Rahmenbedingungen zu arbeiten; sodass sich die Motivation von selbst einstellt. Das ist naturgemäß anspruchsvoller, als mit einer irgendwie gearteten Karotte zu wedeln.**

Die zweite Vorannahme geht noch etwas tiefer. Implizit steckt hinter der Frage die Idee, dass es prinzipiell möglich sei, Menschen von außen zu motivieren. Das mag im Folgenden vielleicht etwas haarspalterisch klingen, aber ich bin überzeugt davon, dass das in Reinform nur äußerst begrenzt möglich ist. Eine von außen induzierte Motivation wäre per se als extrinsisch zu betrachten (wie z.B. Belohnung und Bestrafung). Vielerlei Forschungsergebnisse legen nah, dass damit recht schnell das Ende der Motivationsfahnenstange erreicht ist.

Wichtiger wäre an diesem Punkt, die intrinsische Motivation der MitarbeiterInnen nicht unnötig zu schmälern, z.B. durch Micro-Management. Ansonsten gilt auch hier das oben gesagte.

Nico Rose | Motivation


* Der Merkspruch auf dem Chart ist streng genommen nicht ganz korrekt. Es gibt auch gelegentliche Zustände der Amotivation. Das kommt aber tatsächlich recht selten vor.

** Einschränkend ist zu sagen, dass unterschiedlich formulierte Ziele auch in unterschiedlichem Maße motivatorische Kraft entfalten. Dazu hat die Zielsetzungstheorie viele Daten gesammelt. Das ändert jedoch nichts an der folgenden Tatsache: Ob ein Mensch sich ein Ziel wirklich zu Eigen gemacht hat, ist am Ende des Tages entscheidender als die Frage, wie das Ziel konkret formuliert wurde.