Nico Rose | 2023

Reflexion: Depression und Distanz

Das Schlimmste an einer Depression ist: Über die Zeit kann sich eine Distanz zwischen dir und selbst jenen Menschen aufbauen, von denen du weißt, dass sie dich lieben — und dass sie dir unbedingt helfen wollen.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. So mancher Ratschlag, der genau richtig für Menschen ist, die mal „schlecht drauf“ sind, kann für jemanden mit ausgewachsener Depression wie der blanke Hohn klingen. Dann geht es dir nicht nur saudreckig — du fühlst dich auch noch gnadenlos unverstanden.

Hier drei Sätze, die betroffene Menschen recht häufig zu Ohren bekommen — aus wohlwollender Intention:

  • „Du musst einfach mal wieder unter Leute kommen.“
  • „Mach doch ein bisschen Sport, das wird dir gut tun.“
  • „Geh doch mal wieder auf ein Konzert (ins Theater, Kino etc. pp.) — das macht dir doch sonst so viel Spaß.“

Alle drei Ratschläge haben durchaus etwas für sich. Aber sie können auch mehr zusätzlicher Schlag als Rat sein. Was Depressionen mit dir machen können:

  • An manchen Tagen kotzen dich alle anderen Menschen einfach nur an, selbst deine besten Freunde.
  • An manchen Tagen fehlt dir schon die Energie, überhaupt aus dem Bett aufzustehen und dich anzuziehen.
  • An manchen Tagen macht dir ganz genau gar nichts Spaß — selbst das, was dir sonst die größte Freude spendet (sog. Anhedonie).

Die o.g. Distanz kann sich daher auch beidseitig äußern. Es kann für Angehörige ungeheuer frustrierend sein, wenn die depressive Person zunehmend unerreichbar scheint.

Daher ist professionelle Begleitung so wichtig.

Nico Rose | Metality